Thema

Alles wirkliche Leben ist Begegnung

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ bleibt das Thema des Rhein-Meetings 2021. Dieser Satz Martin Bubers war und ist herausfordernd. Wie sieht das wirkliche Leben in diesen Monaten aus? Wie ist Begegnung möglich? Das Thema hat uns seit dem geplanten Treffen im vergangenen Frühling weiterhin begleitet, und die Fragen haben sich wiederholt gestellt.

In einer Reihe von virtuell verfolgbaren Gesprächen und Vorträgen werden wir uns in den nächsten Monaten auf den Weg machen, der These Bubers nachzugehen. Wir werden Personen aus verschiedenen Kontexten die Frage nach der Begegnung stellen. Die daraus entstehenden Beiträge werden online verfügbar sein und werden, sobald es wieder möglich sein wird, in gemeinsamen Treffen wieder aufgegriffen und diskutiert.

Was bedeutet wirkliches Leben, auch und gerade jetzt?

Die Frage betrifft die Bedeutung von Beziehungen in unserem Leben. Unser privates, berufliches und gesellschaftliches Miteinander ist zutiefst geprägt und auch abhängig von diesen zwischenmenschlichen Bindungen. Wo diese ins Wanken geraten, ist persönliche, soziale und nationale Identität gefährdet.

Gerade in letzter Zeit sind gesellschaftliche Spaltungen ein großes Thema; aber auch im Privaten scheinen institutionelle Formen des Zusammenlebens zunehmend vom Verfall bedroht. Festzustellen ist eine zunehmende Vereinzelung, die durch die aktuellen Beschränkungen noch weiter verschärft wurde. Daher stellt sich uns auch die Frage nach politischer und zivilgesellschaftlicher Verantwortung von Neuem.

Das Problem ist dabei schon vor Ausbruch der Pandemie längst erkannt. Es werden Dialogforen und Begegnungsstätten eingerichtet, Austausch und Bürgerbeteiligung eingefordert. Auch im beruflichen Kontext sind teambildende Maßnahmen längst gängige Praxis. Aber reicht das? Wann findet wirklich Begegnung statt und was zeichnet diese aus?

Der Begriff der „Begegnung“, wie ihn Martin Buber verwendet, verweist auf etwas, das von außen auf mich zukommt, mich in der Tiefe meines Wesens ergreift, mich verändert und mich gerade deshalb mich selbst entdecken lässt. In diesem Sinne erschließt die Begegnung erst das „wirkliche Leben“. Gleichzeitig kann „alles“ zu einer solchen Begegnung werden.

In dem Zitat, das wir zum Thema gewählt haben, spiegelt sich demnach das Grundanliegen des Rhein-Meetings wider: es möchte selbst eine Gelegenheit sein, die Menschen zusammenbringt. Dabei geht es nicht nur um Austausch, sondern auch darum, sich durch diese Begegnung mit dem anderen und dessen Erfahrung verändern zu lassen.

Als Christen sind wir davon überzeugt, dass Gott selbst diese Methode gewählt hat, indem er in Christus Mensch geworden ist und uns in menschlicher Gestalt in seiner Kirche begegnet. Er ist und bleibt dabei der ganz Andere, der uns das Geheimnis unserer Person erschließt und uns ermöglicht, vor dem Geheimnis des anderen zu stehen.