„Ein Schatz in zerbrechlichen Gefäßen“. So lautet der Titel des diesjährigen Rhein-Meetings. Es findet vom 13. bis zum 15. März im Kölner Maternushaus statt.
Das Zitat aus einem der Paulusbriefe bringt die Paradoxie von uns Menschen zum Ausdruck: Wir tragen in uns als Schatz ein Herz, das uns antreibt, unsere Erfüllung zu suchen. Und doch sind wir schwach, irrtumsanfällig, geneigt, das Falsche zu tun und die Erfüllung vermeintlichen Erfüllungen zu opfern, die dann enttäuschen. Glanz und Elend des Menschen. In unterschiedlicher Perspektive beleuchten die Programmpunkte den Umgang mit dieser menschlichen Zerbrechlichkeit.
Ausgangspunkt des Meetings sollen gerade nicht die aktuell zahlreichen Krisenerscheinungen sein, sondern das, was die jüdisch-christliche Tradition das Herz nennt, jener „Schatz“, der den Kern des Menschseins bildet. Der Scherenschnitt von Henri Matisse auf dem Plakat zeigt dies eindringlich. Der französische Künstler schuf den „Ikarus“, als er wegen schwerer Krankheit im Rollstuhl saß. Inmitten der dunklen Silhouette des Menschen bildet das rot leuchtende Herz den eigentlichen Fixstern.
Zu den Referenten des Rhein-Meetings 2026 gehören der Landesminister Nathanael Liminski (CDU), der Bischof von Trondheim (Norwegen), Erik Varden, und der Psychiater und Klinikleiter Ulrich Voderholzer.
Den Auftakt bildet am Freitagabend ein Gespräch mit Nathanael Liminski. Er ist Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei. Der 40-jährige engagierte Katholik sorgte schon in jungen Jahren durch sein Engagement beim Netzwerk „Generation Benedikt“ für mediale Aufmerksamkeit.
In dem Gespräch soll es um die Spannung zwischen persönlichem Glauben und politischem Einsatz gehen. Wenn der Mensch ein Schatz in einem zerbrechlichen Gefäß ist, dann stellt sich die Frage, wie Politik diese Gleichzeitigkeit von Würde und Zerbrechlichkeit im Blick behalten kann. Was kann und muss Politik leisten, die sich am christlichen Menschenbild orientiert, also auch an der paradoxen Gleichzeitigkeit von „Schatz“ und „Zerbrechlichkeit“ in jedem Menschen und in der Gesellschaft, und welche Gewissheit und Orientierung kann sie vermitteln, ohne ideologisch zu werden oder sich selbst zu überfordern?
Über „Wege aus der Einsamkeit“ spricht Bischof Erik Varden. Der Konvertit gehört dem Orden der Trappisten an und war Abt der Abtei Mount St. Bernard in Großbritannien. Er studierte Theologie und Philosophie in Cambridge und hat sich in seinen Büchern als sensibler und tiefsinniger Beobachter der menschlichen Existenz erwiesen.
In The Shattering of Loneliness: On Christian Remembrance (Die Überwindung der Einsamkeit: Über christliches Gedächtnis) schreibt er: „Die Erfahrung der Einsamkeit ist so allgegenwärtig wie Hunger oder Durst. Weil sie uns so unmittelbar betrifft, sprechen wir seltener darüber. Doch wer kennt nicht ihren nagenden Schmerz?“
Zu seinen weiteren Veröffentlichungen gehört unter anderem Heimweh nach Herrlichkeit.
Wie zerbrechlich der Mensch sein kann, zeigt sich dramatisch bei der wachsenden Zahl psychischer Erkrankungen im Jugendalter. Unter dem Titel „Jugend in der Krise?“ berichtet der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Ulrich Voderholzer über die psychischen Belastungen, ihre Hintergründe und über die Faktoren, die uns Menschen widerstandsfähig machen. Der ärztliche Direktor der „Schön Klinik“ Roseneck am Chiemsee ist Autor zahlreicher Fachbücher und leitendes Mitglied in mehreren Fachverbänden. Zu seiner Expertise gehören die Behandlung von Essstörungen und Zwangserkrankungen bei Jugendlichen.
Gerade mit ihrer Sensibilität und Verletzlichkeit, ihrer Suche nach wirklicher Lebensperspektive und Identität stellen Jugendliche auch eine Anfrage an die gesamte Gesellschaft dar. Was schlagen wir ihnen vor? Welche Wirkung haben aktuelle Vorbilder wie sogenannte Influencer? Was kann Jugendliche davor schützen, auf Antworten hereinzufallen, die am Ende in die Irre führen?
Er war Stararchitekt, Exzentriker, Nationalist und tiefgläubiger Katholik: Was aber trieb den Katalanen Antoni Gaudí dazu, fast im Alleingang den Bau der Basilika Sagrada Família in Barcelona anzugehen? Die Schweizer Journalistin und Autorin einer umfassenden Gaudí-Biografie, Kathrin Benz, beschreibt ihn als einen Menschen, der „von Schönheit ergriffen“ war. Unter diesem Titel lädt sie zu einem multimedialen Vortrag ein, der zeigt, wie sich in der Sagrada Família Gaudís Lebensgeschichte, sein Glaube und seine Weltanschauung in einzigartiger Weise verdichten.
Zum 100. Todestag des Künstlers soll in diesem Frühjahr der „Turm Jesu Christi“, mit 172,5 Metern der höchste und zentrale Turm der Basilika, vollendet werden. Zugleich läuft in Rom sein Heiligsprechungsverfahren.
Im Umgang mit den Schwächsten zeigt sich die Humanität einer Gesellschaft. Das Thema Inklusion steht am Ende des Rhein-Meetings auf dem Programm. Zwei Familien berichten über ihre Erfahrungen bei der Annahme von Kindern mit Behinderung. Eine Ausstellung vertieft das Thema anhand der Lebensgeschichte von Hermann dem Lahmen sowie von Videozeugnissen von Familien die Kinder mit Behinderungen an- und aufgenommen haben. Die Schau steht unter dem Titel: „Wenn die Grenze kein Hindernis mehr ist: Die Lebensgeschichte von Hermann dem Lahmen und Zeugnisse für einen neuen Blick auf das Leben“. Dafür steht das Leben des mittelalterlichen Mönchs auf der Reichenau. Obgleich er unter schweren Lähmungen litt, gehörte er zu den führenden Astronomen und Mathematikern seiner Zeit. Er galt als bedeutender Komponist und Schriftsteller – damit erinnert er an den 2018 verstorbenen britischen Astrophysiker Stephen Hawkins, der an ALS, einer Erkrankung des Nervensystems litt. „Solange das Leben da ist, gibt es Hoffnung“, so Hawking.